 |
Unter einer Fiktion (lat.: Gestaltung, Bildung) versteht man die
Gestaltung einer vorgestellten parallelen Welt, deren Eigenschaften
sachlich nicht mit der sog. realen Welt übereinstimmen. Eine solche
parallele Welt ist als Vorstellungsgebilde niemals völlig ausdefiniert,
d.h. jede Fiktion enthält Lücken, die entweder als Erfahrungsgrenzen
bestehen bleiben oder aber punktuell von der Vorstellungskraft des
Rezipienten ergänzt werden, die sich meist an seiner Realität
orientiert.
Die Fiktion ist so alt wie die
Sprache selbst. In der Kulturgeschichte der Menschheit kommt ihr eine
fundamentale Bedeutung zu. Die frühesten Fiktionen, die für uns greifbar
werden, sind die Mythologien, die es offenbar bei allen Völkern gab, und
deren einstigen Reichtum wir in den meisten Fällen nur ahnen
können.
Die Entwicklung
neuer Medien hat vielfach neue Formen der Fiktion hervorgebracht. So wurde
durch die Malerei die Bildergeschichte möglich, durch das Medium Schrift
die Literatur und durch die Photographie der Film, der eine
höherentwickelte Form der Bildergeschichte darstellt. Letzteres zeigt sich
besonders deutlich in der Trickfilmanimation, bei der nicht einfach eine
vorgespielte Wirklichkeit auf Einzelbildern abgelichtet wird, sondern die
Geschichte vor der Ablichtung - wie seit jeher - Bild für Bild gezeichnet
wird. Die Animation von Bildern als Computergraphiken stellt wiederum eine
medientechnische Weiterentwicklung auf diesem Gebiet dar.
|