ANDREAS
HOFER - KÄMPFE VON 1809 AM BERGISEL
Vorgeschichte
Das Jahr 1809 allgemein
Erste Schlacht am Bergisel (25. Mai 1809)
Zweite Schlacht am Bergisel (29. Mai 1809)
Dritte Schlacht am Bergisel (13. August 1809)
Vierte Schlacht am Bergisel (11. November 1809)
Erinnerungen
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Vorgeschichte
In
den Kriegen gegen Napoleon waren Österreich und Bayern (damalige
Schreibweise Baiern) ursprünglich verbündet, doch dann wechselte Bayern
zu Frankreich über. Durch den Frieden von Pressburg kam Tirol
im Jahre 1805 an Bayern.
Zwischen den Tirolern
und Bayern gab es gravierende Unterschiede: Für die Tiroler
war Bayern das Land der Aufklärung, des Absolutismus, der Religions-
und Ständefeindlichkeit. Ab 1803 führte Bayern rigoros sie so genannte
Säkularisierung (Verweltlichung, Loslösung des Staates von der Bindung
an die Kirche) durch. Die Bayern galten für die Tiroler als die Modernisten,
zudem sahen die Bayern in den Tirolern mittelalterliche, abergläubische
Hinterwäldler. Sie hielten uns für hoffnungslos altmodisch und nicht
imstande, das Verwaltungs- und Gerichtswesen der neuen Zeit anzupassen.
Die große Furcht der Tiroler
vor am Anschluss an Bayern betraf vor allem eventuelle Teilungspläne
und die Minderung der Einflusses des Bauernstandes. Die Tiroler Bauern
hatten schon seit dem 13. Jahrhundert eine Sonderstellung und das Mitspracherecht
im Landtag.
Die Bayern erhöhten drastisch
die Steuern, taten sehr wenig für die Förderung von Handel und Verkehr,
setzten Reformen in ihrem Sinne im Gerichtswesen, der politischen Verwaltung
und dem Schulwesen durch.
Die Bayern führten in Tirol
die allgemeine Wehrpflicht ein und wollten im März 1809 in Axams die
ersten Rekruten ausheben. Die betroffenen Burschen flohen in die nahen
Wälder. Als Soldaten sie einfangen sollten, wurde eine bayrische Patrouille
von zwei jungen Männern in die Flucht geschlagen. In einigen Dörfern
läuteten damals die Sturmglocken, die Bauern griffen zu den Waffen.
Wer die Unruhe unter Andreas
Hofer und seinen Mitstreitern verstehen will, muss die Bestimmungen
des Landlibells von 1511 kennen: Die Tiroler hatten nur in
dem Fall Kriegsknechte zu stellen, wenn es um die Verteidigung ihres
eigenen Landes notwendig war. So machten Hofer und seine aufständischen
Bauern eigentlich nur Gebrauch von jahrhundertealten Rechten der Selbstverteidigung.
Leider akzeptierten die Bayern dieses Landlibell nicht.
Besonders im religiösen
Bereich gab es durch die Besatzer tiefe Eingriffe. Die Traditionen
der Tiroler wurde hier vehement untergraben. Es kam zu zahlreichen Verboten
und Verordnungen: Verbot der Mitternachtsmette, Abschaffung bäuerlicher
Festtage, Verbot von Bittgängen und Prozessionen, kein Glockengeläute
mehr u. a. Die Kirche musste sich dem Staat unterwerfen.
Viele Priester mussten ihre Pfarreien verlassen. Die sieben großen Klöster
des Landes wurden aufgehoben.
Diese Belange und einiges
mehr führten zum Aufstand von 1809. Mittels Glockengeläute, Sägespänen
in den Bächen und Bergfeuern wurden die Bauern mobilisiert.

Das Jahr 1809
Von Wien aus hatte man die
Entwicklung in Tirol in den Jahren 1805 bis 1809 genau verfolgt und
durch Vertrauensmänner Verbindungen zu den unzufriedenen Tirolern geknüpft.
Einer dieser Männer war Andreas Hofer, Sandwirt aus dem Passeiertal.
Im Januar 1809 reiste Andreas Hofer mit einigen gleichgesinnten Männern
nach Wien, wo Verhandlungen über den geplanten Aufstand geführt wurden.
Indessen wurden vor allem durch die Tiroler Wirte Vorbereitungen für
Kriegsmaßnahmen im ganzen Land getroffen.
Österreich stellte ein Heer, das in Klagenfurt gebildet wurde, um bei
der Befreiung Tirols mitzuwirken. Dieses rückte über Osttirol ins Pustertal
vor.
Anfang April erhob sich der Landsturm. In ganz Tirol kam es zu schweren
Kämpfen.
Der
Kampf um Innsbruck entbrannte am 12. April bereits um fünf Uhr
morgens. Oberinntaler, Wipptaler und Stubaier Schützen eröffneten das
Feuer auf die starke bayrische Garnison. Die heftigsten Kämpfe tobten
um die Innbrücke. Bereits gegen zehn Uhr waren die Landstürmer Herr
der Stadt.
Zwei Tag später wurden französische Truppen, die durch das Wipptal zu
Hilfe geeilt waren, auf den Wiltener Feldern vernichtend geschlagen.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 20.000 Bauern in Innsbruck.
Endlich erreichten auch die österreichischen Truppen die Stadt, doch
die Befreiung des Landes war zweifellos nur dem Landsturm zu verdanken.
Erhebliche Geld-, Material- und Munitionsvorräte sowie eine große Anzahl
von Pferden waren in die Hände der Bauern gefallen.
Die Regierungsgeschäfte übernahm im Namen des Kaisers der aus Tirol
stammende Hofrat Josef von Hormayr.
Ein einschneidendes Ereignis
war die Niederlage der österreichischen Armee im
Kampf
gegen Napoleon.
Anfang Mai entsandte Napoleon
starke Heeresabteilungen zur Rückeroberung Tirols. Die Truppen bestanden
vor allem aus bayrischen und sächsischen Soldaten, während die Franzosen
die Führung übernahmen. Sie rückten über Kufstein und den Pass Strub
ins Land. Die Österreicher, an deren Seite die Tiroler kämpften, stellten
sich dem anrückenden Feind in den Feldern von Wörgl. Die Niederlage
der Österreicher war jedoch entscheidend. Die Bayern, Sachsen und Franzosen
zogen brandschatzend und mordend durch das Unterinntal gegen Innsbruck.
Die österreichische Armee,
die den Tiroler Landstürmern helfen sollte, zog großteils ab. So konnten
die feindlichen Truppen kampflos in Innsbruck einmarschieren.
Vom 19. bis zum 23. Mai 1809 hielt sich Marschall Lefebvre in Innsbruck
auf. Dann marschierte er mit 7.000 Mann nach Salzburg. In Innsbruck
blieb eine Division mit ca. 8.000 Soldaten stationiert.
Nun sahen die Landstürmer
ihre Stunde gekommen. Es kam abermals zu einer Erhebung. Von Südtirol
aus erfolgte die neuerliche Befreiung Nordtirols. Andreas Hofer war
der Anführer. Es wurde der Beschluss gefasst, den Feind am 25. Mai 1809
vom Bergisel aus (Mittelgebirgshänge südlich von Innsbruck) anzugreifen.

Erste Bergisel-Schlacht (25. Mai 1809)
Peter
Mayr und Pater Joachim Haspinger rückten mit den Eisacktalern,
Martin Teimer mit den Oberländern und Josef Speckbacher
mit den Unterländern an. Hofer nahm sein Standquartier im Gasthof Schupfen
an der Brennerstraße.
Dieses Gefecht brachte jedoch keine Entscheidung. Dunkelheit und ein
heftiger Gewitterregen beendeten die Schlacht. Die Bayern behielten
die Talebene, die Tiroler die Hänge.
Zweite Bergisel-Schlacht
(29. Mai 1809)
Die Tiroler griffen wieder
an. Dem mit vollem Einsatz geführten Kampf konnten die Bayern nicht
widerstehen. Außerdem hatten die Tiroler Verstärkung bekommen. Die Bayern
traten den Rückzug durch das Unterinntal an.
Schon am 21. und 22.
Mai wurden die Truppen Napoleons von Erzherzog Carl bei Aspern geschlagen,
doch am 5. und 6. Juli besiegte Napoleon wieder die Österreicher.
Das führte zu dem am 12. Juli abgeschlossenen Waffenstillstand von
Znaim. Dabei wurde Tirol wieder an den Feind abgetreten.
Kaiser Franz hatte den Tirolern versprochen, nie mehr wieder einen Waffenstillstand
zu unterzeichnen, in dem Tirol abgetrennt werden sollte, doch er brach
sein Wort.
Dritte Bergisel-Schlacht
(13. August 1809) (dargestellt im Riesenrundgemälde)
In der zweiten Julihälfte
sandte Napoleon eine Armee von 25.000 Mann
nach
Tirol. Von allen Seiten marschierten feindliche Soldaten auf das Land
zu. Der Landsturm versammelte sich zur Abwehr und erzielte etwa bei
der Lienzer Klause, der Pontlatzer Brücke und der Sachsenklemme
Erfolge.
Hofer konnte die Haupttruppe des Tiroler Wehraufgebots vereinigen, wodurch
die Tiroler den Feinden zahlenmäßig überlegen waren.
Die große Entscheidungsschlacht
wurde am 13. August auf dem Bergisel ausgetragen. 15.000 Landstürmer
kämpften gegen ein etwa gleich starkes Heer von Bayern, Sachsen und
Franzosen. Zeitig in der Früh griffen die Tiroler unter dem Befehl Hofers
von den Höhen aus in Richtung Inntal an: "Nur nit aua lassn!"
Gegen
Abend waren alle wichtigen Punkte in den Händen der Tiroler. Marschall
Lefebvre sah die einzige Rettung für seine Soldaten in einem raschen
Rückzug durch das Unterinntal. Am 18. August verließ seine Armee den
Boden Tirols. Die Tiroler hatten sich ohne fremde Hilfe selbst befreit.
Allerdings war das Land nun auf sich gestellt.
Andreas Hofer übernahm
als Oberkommandant von Tirol im
Namen
des Kaisers die Regierung im Land. Ein Zimmer in der Hofburg (nicht
jenes, das im Rahmen der Besichtigung der Prunkräume zu sehen ist) war
sein Arbeitsraum. Größte Probleme bereitete die trostlose Finanzlage.
Im Oktober 1809 wurde
in Wien der Frieden von Schönbrunn unterzeichnet, der die endgültige
Aufgabe der tirolischen Gebiete durch den Kaiser beinhaltete.
Vierte Bergisel-Schlacht
(11. November 1809)
Bei einer neuerlichen Erhebung
der Tiroler blieb die erhoffte österreichische Hilfe aus. Am 30. Oktober
besetzten zwei feindliche Divisionen Innsbruck.
Hofer zögerte mit einem neuerlichen
Angriff und trat eher für ein Aufgeben ein. Doch Pater Haspinger konnte
den tief religiösen Anführer doch noch zu einem Kampf bewegen. Schweres
Artilleriefeuer zerstörte fast mühelos die Tiroler Verteidigungsanlagen.
Die geschlagenen Tiroler zogen sich ins Silltal zurück. Ganze Kompanien
lösten sich einfach auf. Hofer war in seinem Hauptquartier in Matrei
am Brenner, ohne Verbindung und daher ohne Einfluss auf das Geschehen
auf dem Schlachtfeld.
Im
Dezember war Tirol somit endgültig geschlagen. Die Anführer
des Aufstandes hatten
sich großteils in die verschneiten, unzugänglichen Almen der Tiroler
Berge in Sicherheit gebracht. Hofer selbst floh auf die Pfandlalm,
wo er durch den Verrat Raffls in Gefangenschaft geriet. Er wurde
in Mantua verurteilt und am 20. Februar 1810 erschossen. Allgemein
gesehen gingen die Bayern und Franzosen jedoch sehr milde mit den Tirolern
um.
1823 wurden die
Gebeine Hofers nach Innsbruck gebracht und in der Hofkirche
zur letzten Ruhe gebettet.

Erinnerungen
Bergisel mit Standbild Andreas Hofers, Grab in der Hofkirche,
Kanonenkugel
am Gumpp-Haus (Ecke Kiebachasse-Schlossergasse 1, 1. Stock beim Erker),
verschiedene Bilder (etwa Erstürmung der Innbrücke, Gefangennahme Hofers
auf der Pfandl-Alm), Riesenrundgemälde bei der Kettenbrücke (zeigt die
dritte Bergisel-Schlacht), Regierungszimmer Hofers in der Hofburg (nicht
zu besichtigen, das sogenannte "Hofer-Zimmer" bei den Prunkräumen
ist nur ehrenhalber nach ihm benannt), Andreas-Hofer-Straße, Gedenktafeln
am Gasthof Goldener Adler in der Innsbrucker Altstadt, Denkmal "anno
9" bei der Ottoburg.
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