MARIA
THERESIA UND INNSBRUCK
Allgemeines
Franz Stephan von Lothringen
Hochzeit und Tod in Innsbruck - 1765
Adeliges Damenstift
Erinnerungen
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Allgemeines
Maria
Theresia war die älteste Tochter von Kaiser Karl VI. und Elisabeth
Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel. Sie wurde 1717,
ein Jahr nach dem erhofften männlichen Erben, der jedoch schon als Baby
starb, geboren.
Bereits 1713 hatte
der Kaiser einen Vertrag erstellen lassen, die so genannte "Pragmatische
Sanktion": Sollte Karl VI. ohne männlichen Erben sterben, dann
waren eventuelle Töchter in der Reihenfolge ihres Alters zur Erbschaft
bestimmt. Die älteste Tochter sollte also die gesamte Habsburgermonarchie
erben, ungeteilt und untrennbar. Innerösterreichische Gremien sowie
die wichtigsten europäischen Mächte sollten zur Anerkennung dieses Grundsatzes
bewegt werden.

Franz Stephan
von Lothringen
Maria
Theresias Ehe wurde im Jahre 1721 vereinbart, als die Braut gerade vier
Jahre alt war, der Bräutigam dreizehn. Der junge Franz Stephan von Lothringen
wurde aus politischen Gründen ausgewählt, denn Lothringen war
jenes Gebiet, das zur Abrundung des großen französischen Reiches noch
fehlte und deshalb aus habsburgischer Sicht nicht an Frankreich gelangen
sollte. Der junge Franz Stephan war öfter zur Erziehung und Bildung
am Wiener Hof. Kaiser Karl VI. verstand sich prächtig mit dem jungen
Mann. Beide hatten gemeinsame Interessen, vor allem Vergnügungen und
die Jagd.
Als die Ehe zwischen
beiden dann 1736 geschlossen war, musste der Bräutigam aus politischen
Erwägungen Lothringen gegen das Großherzogtum Toskana
tauschen.
Die Habsburger waren
in der männlichen Linie ausgestorben. Mit Franz Stephan von
Lothringen blühte die neue Dynastie Habsburg-Lothringen auf,
die heute noch besteht.
1740,
nach dem Tod von Kaiser Karl VI., traten mehrere europäische Staaten
gegen die Pragmatische Sanktion auf. Bayern und Preußen erhoben Anspruch
auf die gesamte österreichische Erbmasse bzw. auf Schlesien aufgrund
ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen. Die unausweichliche Folge bildete
der Österreichische Erbfolgekrieg, der über fünf Jahre dauerte.
Österreich verlor Schlesien an Preußen, behauptete aber seine Erblande.
Franz Stephan von Lothringen
wurde als Kaiser Franz I. des heiligen römischen Reiches gewählt.
Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und
Böhmen, Gräfin von Tirol etc. wird allerdings auch sehr oft als
Kaiserin bezeichnet. Nur wäre es damals undenklich gewesen, einer Frau
die Kaiserwürde zu übertragen. Die Regierung hatte zwar eindeutig
Maria Theresia in der Hand, ihr Gatte galt nur als Mitregent.
So sehr sie ihn auch liebte, so wenig ließ sie ihn Anteil nehmen an
der Regentschaft über die habsburgischen Erblande. Franz Stephan
jedoch galt als Finanzgenie und legte sich ein beträchtliches
Privatvermögen an. Mit diesem Geld finanzierte er teilweise
auch die Kriege seiner Gattin.
Trotz seiner verschiedenen
Eskapaden und seinem intensiven Interesse am weiblichen Geschlecht liebte
Maria Theresia ihren Gatten.
Maria Theresia setzte kluge
und umsichtige Reformen in Gang. Sie
hatte
Italien den Frieden gebracht. Modena und Toskana waren in den Händen
des Hauses Österreich. Sie verheiratete mehrere ihrer 16 Kinder im politischen
Sinne überaus erfolgreich, so etwa mit den Herrschern von Parma, Neapel
und Frankreich.
1765 starb Franz Stephan.
Die letzten fünfzehn Jahre ihres Lebens, in denen sie übrigens nur noch
Schwarz trug, war ihr ältester Sohn, der spätere Kaiser Joseph II.,
ihr Mitregent. Mutter und Sohn verstanden sich nicht gut und vertraten
oft recht gegensätzliche Meinungen. Joseph war in seinen Erneuerungsbestrebungen
zu radikal.
Maria Theresia starb 1780,
ruhig in dem Bewusstsein, als "Schwiegermutter Europas" ein
wohl bestelltes Haus zu hinterlassen.

Hochzeit und
Tod in Innsbruck - 1765
Am 4. Juli 1765 brachen die
kaiserliche Familie und der halbe Hofstaat von Wien nach Innsbruck
auf, wo der zweitälteste Sohn, der achtzehnjährige Erzherzog Leopold,
mit der spanischen Prinzessin Maria Ludovica getraut werden sollte.
Anschließend würden beide nach Florenz reisen, wo Leopold die Nachfolge
seines Vaters als Großherzog der Toskana antreten sollte.
Die Reise von Wien
führte nicht über Salzburg, das ja erzbischöflicher Besitz war, sondern
über Mürzzuschlag, Graz, Leoben, Judenburg, Klagenfurt, Lienz, durch
das Pustertal und den Brenner nach Innsbruck. Überall gab es Empfänge
und Feierlichkeiten. Von Ruhe war für Maria Theresia wenig zu spüren.
Am 15. Juli 1765 traf die Reisegesellschaft mit der Pferdekutsche in
Innsbruck ein.
Die kaiserliche Familie
bestand aus Maria Theresia und ihrem Gatten Franz Stephan von Lothringen,
den Kindern Joseph, Leopold, Maria Christina und Maria Anna.
Die Kaiserin wollte Innsbruck
durch ihren Besuch eine Gunstbezeugung erweisen. Da die Tiroler
arm waren, sollte dem einfachen Mann kein Schaden durch die Hochzeit
erwachsen: "Ich wünschte, dass der Preis der Lebensmittel sich
bei unserer Ankunft nicht steigere ...", soll Maria Theresia verlautbart
haben.
Für den hohen Besuch musste
Innsbruck auch Vorbereitungen treffen: Quartierbeschaffung,
Verbesserung der Straßenbeleuchtung, Abdeckung der offenen Ritschen
in den Straßen, Instandsetzung des
Straßenpflasters,
Beschaffung von genügend Wein- und Lebensmittelvorräten, Abbruch des
Vorstadttores (beim Eingang von der Maria-Theresien-Straße in die Altstadt
und Verwendung des Abbruchmaterials für den Bau der Triumphpforte),
Zuschüttung des Stadtgrabens und anderes mehr.
Zum Empfang der Hochzeitsgäste
wurde die Triumphpforte zwischen Wilten und Innsbruck errichtet,
wenn auch zunächst nur mit plastischem Schmuck aus Stuck und Holz. Erst
1774/75 erfolgte die heutige Gestaltung.
Maria Ludovica von
Spanien verließ am 14. Juni 1765 ihre Heimatstadt Madrid. Zehn Tage
später bestieg sie in der Hafenstadt Cartagena ein Schiff, das sie nach
Genua bringen sollte. Ein Sturm verzögerte jedoch die Seereise, weshalb
sie erst am 18. Juli in Genua eintraf.
Am 28. Juli reiste Erzherzog
Leopold in Richtung Bozen ab, wo er seine Braut empfangen wollte. Er
hatte sie vorher noch nie gesehen. Gerüchte beschrieben die Prinzessin
"als hässlich, rothharicht und übl erzogen". Der junge Bräutigam
war jedoch angenehm überrascht, da sie in Wirklichkeit "sehr blond,
mithin auch einen schöneren und lichteren Teint" hatte und sich
sehr gut zu benehmen wusste.
Am 2. August erreichte die
Braut in Begleitung Innsbruck. Die Prinzessin wurde bis zur Hochzeit
in Stift Wilten untergebracht, während die kaiserliche Familie in die
Hofburg zurückkehrte.
Am Hochzeitstag, dem
5. August 1765, regnete es sehr stark. Die Braut fuhr in einem
prächtigen Wagen gegen sechs Uhr abends von Stift Wilten nach Innsbruck.
Vor der St. Jakobs-Kirche wartete Leopold auf sie. Er war erkrankt,
wahrscheinlich an einer Art Sommergrippe. Das Großfeuerwerk zum Hochzeitsfest
fiel einem subtropischen Wolkenbruch zum Opfer. Tagelang wurde gefeiert,
trotz des eher schlechten Zustands des Bräutigams.
In der Nacht zum 18. August
klagte Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen über Spannungen
in der Brust, wollte sich jedoch nicht zur Ader lassen. Der Kreislauf
des eher wohl beleibten Fürsten war durch das üppige Essen und Trinken
start belastet.
Am Abend des 18. August besuchte Franz Stephan mit seinem Sohn
Joseph
eine
Theateraufführung gegenüber der Hofburg. Obwohl er sich nicht wohl fühlte,
blieb er bis zum Ende der Vorstellung. Danach kehrte er über einen Gang
zur Hofburg zurück, begleitet von seinem Sohn Joseph. Dem Kaiser wurde
übel, er brach zusammen und wurde auf das Bett eines Lakaien gelegt
- dort starb er. Maria Theresia wurde geholt und blieb allein
die ganze Nacht bei ihrem toten Gatten.
Das freudige Fest der Hochzeit des Sohnes wurde somit auch zur Totenfeier
für den Vater.
Der Leichnam wurde geöffnet, einbalsamiert und im Riesensaal der Hofburg
aufgebahrt. Man hatte den Saal mit schwarzen Tüchern verdunkelt.
Die Rückreise erfolgte mit
dem Schiff von Hall auf dem Inn und der Donau. Die dem hl. Johannes
von Nepomuk geweihte Lendkapelle in Hall erinnert noch an den Platz
der Einschiffung. Für die Beförderung des Hofstaates mit dem gesamten
Gepäck waren 19 Schiffe nötig.
Erzherzog
Leopold verließ am 30. August mit seiner jungen Gattin Innsbruck in
Richtung Toskana.
Nach 1765 kam Maria Theresia
nicht mehr nach Innsbruck. Insgesamt war sie zweimal hier - 1739 als
junge Erzherzogin mit ihrem Gatten auf der Rückreise von Florenz für
einige Tage und eben 1765.
Trotzdem ließ sie den schon
1754-1756 begonnenen Umbau der Hofburg fertig stellen. Das Sterbezimmer
des Kaisers, eigentlich ein Dienerzimmer, wurde in eine Kapelle umgewandelt.
Maria Theresia gründete auch als "ewig Gedächtnisfeier" das
"adelige, weltliche Fräulein Stift", da so genannte Adelige
Damenstift.

Das Adelige Damenstift
Das
Adelige Damenstift war von Maria Theresia für zwölf adelige Fräulein
bestimmt, die Trauerkleidung tragen und täglich im Gebet (Tag und
Nacht) des verstorbenen Kaisers gedenken mussten. Es sollte ein
"ewiges Denkmal" für ihren geliebten Gatten sein.
Erzherzogin Maria Elisabeth,
eine der Töchter Maria Theresias, wurde die erste Äbtissin. Sie galt
als die lieblichste und begehrteste aller Prinzessinnen, erkrankte jedoch
1767 an Pocken. Durch die Narben wurde sie arg verunstaltet. Ihr blieb
praktisch nur noch die Kirche. Wegen ihres Kropfes erhielt sie vom Volksmund
die Bezeichnung "kropferte Liesl". Doch durch ihr leutseliges
und freundliches Wesen bildete sie den gesellschaftlichen Mittelpunkt
der Stadt. Sie weilte hier bis 1805, als sie vor dem Ende des Dritten
Koalitionskrieges vor den Truppen Napoleons über Kärnten nach Wien floh.
Die Kleidung der Ordensfrauen
war stets schwarz, alltags einfach, mit wenig Schmuck, aber links mit
dem Ordenszeichen versehen. Als Festtagskleidung diente ein schwarzes
Seidenkleid mit hermelinbesetzter Schleppe.
Verboten war der Besuch von
Maskenbällen und öffentlichen Komödien, gestattet der Besuch von Oper,
Hof- und Adelsveranstaltungen, Spazierfahrten und Gartenfesten. Jede
der Damen hatte die Möglichkeit zu heiraten oder einem geistlichen Orden
beizutreten.
Das Stift wurde 1807 von
der bayrischen Regierung aufgelöst, nach der Rückgabe Tirols an Österreich
1816 reaktiviert. Heute handelt es sich um eine Stiftung des Landes
Tirol. Gegenwärtig sind noch zwei oder drei Stiftsdamen hier ansässig.

Erinnerungen
Hofburg in der heutigen Gestalt,
Triumphpforte, Adeliges Damenstift, Maria-Theresien-Straße, Kaiser-Josef-Straße,
Leopoldstraße.

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